01.07.2003 09:07
bahnhof.baden.ch sendet keine Bilder mehr
Baden Nach 1525 Tagen ist den Bahnhof-Kameras der Werft22 befohlen worden: «Shutdown!»
Seit dem 30. April 1999 haben Live-Kameras die Grossbaustelle beim Bahnhof Baden dokumentiert. Jetzt ist das Streaming im Internet abgebrochen worden.
Finissage für das Internetprojekt von Werft22: Gestern kurz nach 11 Uhr hat Stadtammann Josef Bürge den Befehl «Shutdown» in den Computer eingegeben. Damit sind die beiden Kameras über einem Schüttstein in der Alten Kleiderfabrik an der Stadtturmstrasse und in einer Mansarde im Kunstgütli erblindet. Die Live-Übertragung, mit der die Baustelle in Bild und Ton rund um die Uhr einsehbar war, ist abgebrochen.
In den über vier Jahren sind im 10-Minuten-Takt rund 400 000 Bilder gespeichert worden. Sie gehen jetzt ins Archiv des Historischen Museums über und werden zu einem Zeitrafferfilm verarbeitet. Im gut zweistündigen Bildmaterial werden dann die Veränderungen rund um den ältesten Bahnhof der Schweiz dokumentiert sein. Entstanden war das Projekt «aus grossem Leidensdruck und Frust heraus», wie die Initiatorin Beatrice Timcke erklärte. Baulärm zehrte an den Nerven und Erschütterungen brachten mehr als einen Server am ehemaligen Standort der Werft22 in der Alten Kleiderfabrik zum Absturz. Das Resultat ist ein Zeitdokument, das Beobachtungen wiedergibt, ohne zu werten.
Es geht mit visionären Projekten weiter
Mit der Bahnhofübertragung begannen für die Ideen Werft22 GmbH die Aktivitäten im Bereich Multimedia-Streaming. Inzwischen hat sie sich weiterentwickelt und unter anderem dafür gesorgt, dass das Olympiaprogramm von SF DRS über Internet verzögerungsfrei im Swisshouse in Salt Lake City zu sehen war. «Sdreamland Services» nennt sich dieses Produkt für Datenübertragung auf mobile Endgeräte. Anfang Jahr erhielt Werft22 dafür den Swiss Technology Award. In Baden hat Werft22 das visionäre Projekt der «Wireless City» gestartet, mit dem der kabellose Netzzugang möglich wird. Die GmbH wird in eine Aktiengesellschaft überführt, an der die Werft22-Gründer Henning und Beatrice Timcke, Andreas Trottmann und Andreas Schelling als Geschäftsführer mit zwei Dritteln sowie Werner Eglin mit einem Drittel beteiligt sind. (Mü)
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